Das Z2X-Festival in München

Ich, unscharf, im Hintergrund
Unscharf und den Bart zwirbelnd: Das bin ich.

Ich war am Samstag auf dem von Zeit Online organisierten Z2X-Festival in München, oder gemäß der offiziellen Sprachregelung: Z2X³ 18 München. Schon das erste Z2X-Festival fand ich spannend, zu einer Anmeldung hat es dann aber nie gereicht – bis das Event nun nach München kam und es praktisch keine Ausreden mehr gab. Ich habe also den Anmeldungsprozess durchlaufen und war dann doch etwas überrascht, kurz darauf tatsächlich eine Einladung zu erhalten.

Entsprechend bin ich dann am Samstag etwas erwartungslos zum Bayerischen Rundfunk getingelt, der Event-Location. Immerhin, dachte ich mir: Selbst wenn Z2X Mist ist, habe ich wenigstens noch gesehen, wie es innerhalb dieses Gebäudes aussieht.

Ein paar Stunden später und vor allem jetzt im Rückblick zeigt sich: Mein Pessimismus war einigermaßen unbegründet. Z2X habe ich als eine Veranstaltung erlebt, der es gelungen ist, in mir einen Tatendrang auszulösen, den ich so nur selten bemerke. (Wahrscheinlich habe mich deswegen im Vorfeld auch nicht für einen "jungen Visionär" gehalten, der überhaupt aufs Z2X gehört.) Das ist umso erstaunlicher, als dass das Festival mit einem halben Tag sehr kurz war. Etwas mehr Zeit täte diesem Event sicher gut, um den Tatendrang zu festigen – aber vermutlich gibt es genau dafür das große Z2X im Herbst.

Ein paar weitere Erkenntnisse und Eindrücke im Schnelldurchlauf:

  1. Zeit Online hat sich offenbar den Claim Good News zugelegt, was einigermaßen irritierend ist, wenn der eigene Arbeitgeber einem permanent den Slogan Das sind gute Nachrichten um die Ohren haut.
  2. Ein reißerischer Titel macht keinen schlechten Workshop – diese Erkenntnis kam mir leider erst, nachdem ich "Zehn Jahre länger leben – dank dieses Workshops" bereits verpasst hatte. Die Kurzusammenfassung im Wrap-Up machte dafür umso mehr Lust, sich mit Design Fiction zu beschäftigen.
  3. Auch der Workshop "Endlich verständlich – woran Elektromobilität und Klimaschutz in Deutschland wirklich scheitern" vermochte es nicht, zu erklären, woran Elektromobilität und Klimaschutz in Deutschland wirklich scheitern.
  4. Vermutlich liegt es an der unerschöpflichen Vielschichtigkeit des Themas.
  5. In einer sehr wenig repräsentativen Gruppe junger Menschen gibt es eine deutliche Mehrheit für eine Grüne Welle für Fahrrad-Fahrer und kostenlosen ÖPNV. Finde ich gut und macht mir Hoffnung.
  6. Gute Workshops werden nach zwei Stunden spannend – waren bei Z2X aber nach zwei Stunden auch schon zu Ende.
  7. Mindestens so spannend: "Strategien für effektive Gruppenarbeit" – die habe ich aber leider auch verpasst. Bekannte Tipps daraus: Ein Mikrofon (das nicht einmal echt sein muss) schafft Aufmerksamkeit. Unbekannte Ideen: Aufgaben aus einem Meeting auf Kugeln notieren, die jeder Teilnehmer mitnehmen kann. Mehr Ideen daraus: Hätte ich gerne mitbekommen.
  8. Und noch ein Workshop, den ich verpasst habe: "Wie deutsche Redaktionen bunter werden". Zumindest unterschwellig habe ich mir über dieses Thema in der Vergangenheit auch immer wieder Gedanken gemacht, weil es in meinem Alltag so omnipräsent ist: Unser Entwickler-Team, für das sich offenbar kaum Fachkräfte finden, setzt sich in weiten Teilen aus Menschen aus anderen Ländern zusammen; es ist selbstverständlich, sich auf Englisch auszutauschen. In meiner Redaktionen (und, soweit ich das von außen beurteilen kann, auch in allen anderen Redaktionen in unserem Haus) arbeiten dagegen fast ausschließlich Deutsche.
  9. Einen sehr ähnlichen Tatendrang wie Z2X löst bei mir der jährliche Chaos Communication Congress aus. Es gibt aber auch große Unterschiede: Beim C3 finden alle Besucher Facebook selbstverständlich doof. Bei Z2X fanden alle Besucher Facebook selbstverständlich gut. Nach langer Zeit hatte ich mal wieder einen "Lass-uns-auf-Facebook-befreunden"-Moment in einer Gruppe, in der man dann gegenseitig das Handy herumreicht und sich befreundet.
  10. Für ein 11-Quadradmeter-WG-Zimmer am Rotkreuzplatz zahlt man 650 Euro Miete im Monat. Als leiderprobter Münchner ist man wenig schockiert, wenn man das hört. Und auch sonst wundert man sich nicht mehr übermäßig über absurde Catering-Preise.
  11. Apropos Catering: ⅔-Mehrheit für 0,5 und ihr schenkt 0,33-Bier aus?

Und um noch einmal auf darauf zurückzukommen, wie es denn beim BR nun aussieht:

Konferenzraum beim BR
Beim BR gibt es sehr eindrucksvolle Konferenzräume …
Noch ein Konferenzraum beim BR
… und dann gibt es noch diesen Konferenzraum.

Mehr Fotos von Z2X in München gibt es hier.